Anonim

Andrea Branzi bei der Fondation Cartier

Der italienische Architekt und Designer Andrea Branzi wird nächsten Monat zwei Installationen in der Fondation Cartier in Paris entwerfen.

Die Installationen - ein Pavillon (oben und oben) und eine elliptische Struktur namens Ellisse (unten) - werden auf die Architektur des von Jean Nouvel entworfenen Fondation Cartier-Gebäudes und die Musik der Rocksängerin Patti Smith reagieren.

Alle Bilder sind © Andrea Branzi und © Fondation Cartier pour l'art contemporain.

Die Ausstellung läuft vom 28. März bis 22. Juni. Hier eine kurze Erläuterung der Ausstellung, gefolgt von einem längeren Text der Fondation Cartier:

-

Ab dem 28. März präsentiert die Fondation Cartier Werke von Andrea Branzi, einem der einflussreichsten italienischen Architekten und Designer, die heute arbeiten. Branzi wird zwei ehrgeizige neue Installationen präsentieren, die speziell für seine Ausstellung in der Stiftung entstanden sind. Diese Installationen aus Glas und Metall, die mit natürlichen Elementen wie Zweigen und Blumen verwoben sind, versetzen sich in die musikalische Umgebung von Patti Smith und schaffen einen Dialog mit der Architektur des Gebäudes von Jean Nouvel. Fragil, zart und poetisch drücken diese hybriden Strukturen das aus, was Andrea Branzi als "schwache und diffuse Moderne" bezeichnet hat, in der das Lichtdurchlässige, das Vergängliche und das Flexible die Leitkonzepte für Architektur und Design im 21. Jahrhundert werden.

-

Andrea Branzi 28. März - 22. Juni 2008

Andrea Branzi, einer der einflussreichsten italienischen Architekten und Designer, der heute arbeitet, wird zwei ehrgeizige neue Installationen vorstellen, die in Zusammenarbeit mit der CIRVA (1) speziell für seine Ausstellung in der Fondation Cartier entstanden sind. Diese Installationen aus Glas und Metall, die mit natürlichen Elementen wie Zweigen und Blumen verwoben sind, versetzen sich in die musikalische Umgebung von Patti Smith und schaffen einen Dialog mit der Architektur des Gebäudes von Jean Nouvel. Fragil, zart und poetisch drücken diese hybriden Strukturen das aus, was Andrea Branzi als "schwache und diffuse Moderne" bezeichnet hat, in der das Lichtdurchlässige, das Vergängliche und das Flexible die Leitkonzepte für Architektur und Design im 21. Jahrhundert werden. Nach der Ausstellung von Ron Arad, Marc Newson und Alessandro Mendini, die Fondation Cartier, bekräftigen mit diesem Auftrag an Andrea Branzi ihr anhaltendes Engagement für das Design.

Andrea Branzi wurde 1938 in Florenz geboren und beschäftigt sich seit den späten 1960er Jahren mit vielen progressiven Elementen des italienischen Designs. Als eines der Gründungsmitglieder von Archizooom Associates (1966-1974) spielte er eine wichtige Rolle in der radikalen Architekturbewegung, die eine ganze Generation von Architekten wie Frank Gehry, Rem Koolhaas und Daniel Liebeskind inspirierte. In den 1970er und 1980er Jahren nahm er auch an wichtigen Avantgarde-Gruppen wie Studio Alchymia und Memphis teil. Als produktiver Schriftsteller und Kritiker war er einer der Mitbegründer der weltberühmten Designschule Domus Academy in Mailand, deren Direktor und Vizepräsident er zehn Jahre lang war. Für seine beruflichen Beiträge im Bereich Design und Designtheorie wurde er 1987 mit dem renommierten Compasso d'Oroin ausgezeichnet. Derzeit ist er Professor und Direktor des Graduiertenprogramms für Innenarchitektur am Politecnico di Milano und Kurator am Museo del Design di Milano.

Architektur neu erfinden

Die in der Fondation Cartier präsentierten Installationen haben sich zu einem der Hauptanliegen des Designers entwickelt: Wie können wir die Architektur nach ihrem Ableben neu erfinden? Er argumentiert, dass die moderne Architektur mit ihrer Betonung der geschlossenen Form und der endgültigen Funktion nicht nur den „intimen Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Nutzer“, sondern auch den allgemeinen Bedürfnissen einer auf Elektronik und Dienstleistungen basierenden „fließenden“ Gesellschaft nicht mehr gewachsen ist. Das Werk von Andrea Branzi, das die gegensätzlichen Realitäten des Natürlichen und Künstlichen, des Industriellen und des Handgemachten aufgreift, möchte die Komplexität der heutigen Gesellschaft widerspiegeln und den Betrachter dazu ermutigen, sein Verhältnis zur gebauten Umwelt zu überdenken.

Transluzenz und Durchlässigkeit

Für die erste Installation hat der Designer ein mysteriöses elliptisches Gehäuse entworfen, das handwerkliche Konstruktionstechniken verwendet. Er verwebt Materialien wie Pflanzen, Äste und Hanf mit Glas und Metall und schafft eine hybride Struktur, die das Natürliche mit dem Künstlichen verbindet. Drei Sitze aus der Serie Domestic Animals (1985), die unter Verwendung von industrieller Tischlerei und grobem Birkenholz hergestellt wurden, werden innerhalb der Ellipse platziert, was die duale Natur der Struktur selbst widerspiegelt. Branzi verwendet das Weben - eine Technik, die traditionell bei der Herstellung von Stoffen angewendet wird -, um eine Wand zu bauen, die leicht und durchlässig wirkt. Diese Methode wird im Bauwesen nur selten verwendet, um eine flexible Oberfläche zu erstellen, die demontiert werden kann. Weit entfernt von der Vorstellung von Architektur als System geschlossener Kisten, drückt diese Arbeit die Ideen von Transluzenz und Durchlässigkeit aus. Im Gegensatz zu einem traditionellen Gebäude besitzt die Ellipse keine eindeutige Funktion und wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet: Ist es eine Kollektivwohnung? Ein ummauerter Garten? Ein Spalier? Es ist sowohl ein skulpturales Objekt als auch eine Konstruktion und befindet sich zwischen Architektur und Design. Die Ellipse bringt das Konzept des Designers eines "offenen" Systems zum Ausdruck und bietet so viele Möglichkeiten, wie der Verstand sich vorstellen kann.

Natur als konzeptionelles Modell

Für die zweite Installation präsentiert der Designer eine rätselhafte Struktur, die er treffend als Pavillon bezeichnet. Wie ein traditioneller Pavillon ist die Installation von Andrea Branzi ein Pavillon mit komplizierten dekorativen Elementen. Metallgeflechte und organische Glasformen zieren die Seiten aus dünnen Stahlstäben und verleihen einer ansonsten minimalen geometrischen Struktur Sinnlichkeit und zarte Farben. Innerhalb dieser Arbeit hat der Designer ein "vertikales Zuhause" platziert, ein modulares Möbelstück, das eine Vielzahl von häuslichen Funktionen übernehmen kann - ein Bett, Regale oder ein Arbeitsbereich - und so diese Installation in einen imaginären Wohnraum verwandelt Der Pavillon ist normalerweise ein Unterschlupf, von dem aus wir die Landschaft betrachten können. Für Andrea Branzi ist die Natur jedoch nicht mehr passiv dekorativ, sondern besitzt eine eigene "schwache" Energie, ähnlich der elektronischen Energie, die unsere Städte unsichtbar verändert hat. In Branzis Werk allgegenwärtig, werden die Natur und ihre Produktionsweisen als konzeptionelle Modelle für Architektur und Design sowie als Kräfte, mit denen sie interagieren können, angesehen. Branzi nutzt dieses Potenzial und integriert Pflanzen und Blumen in und um seine Installationen. Ein Glasregal, das die Ellipse vollständig umgibt, zeigt eine Auswahl von Vasen aus den Kollektionen des Designers. Im imaginären häuslichen Raum des Pavillons blühen auch Blumen, deren Präsentation von der Kunst des Ikebana inspiriert ist.